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Impulskontrolle

Impulskontrolle meint im Grunde, wie der Name schon sagt, einem Impuls oder einem Reiz zu widerstehen bzw. nicht zu folgen. Es bedeutet aber auch, den Hund aus einer aktuellen Handlung herauszubekommen bzw. etwas zu beenden und ein anderes Verhalten zu zeigen. Bei den meisten Hunden muss man das erst langsam aufbauen, denn sie müssen erst lernen gewisse Dinge einfach auszuhalten.

Wer einen Hütehund hat, wird den Begriff wahrscheinlich schon das ein oder andere Mal gehört haben.Die meisten sind ja ständig in der Erwartungshaltung, dass etwas Aufregendes passiert. Aber genau das müssen sie eben lernen – Das auch mal nichts zu tun ist. 

Im ersten Lebensjahr habe ich mit Buddy erst mal ganz gezielt Ruhe geübt. Und auf Empfehlung meiner Züchterin auch keinen Gegenstände, wie Bälle etc. geworfen. Er musst als Welpe erst mal lernen im Haus ruhig liegen zu bleiben, während meine Familie und ich eben mit unserem Kram beschäftigt waren. Hätte ich ihn gelassen wäre er mir nämlich 24 Stunden am Tag gefolgt, um eben zu sehen was ich so mache. Daher war für mich das wichtigste Training ihm beizubringen auf seinem Platz bzw. in seiner Box liegen zu bleiben, wenn ich ihn dort hin geschickt habe. 

Die Impulskontrolle finde ich aber auch wichtig, um den Hund vor sich selbst zu schützen. Beispielsweise kann es extrem gefährlich werden, wenn der Hund aus dem Impuls heraus aus dem Haus stürmt, alles möglich Jagd und sich somit selbst in Gefahr bringt.

Allerdings können Hunde nicht wie Menschen Situation auf Ähnliche einfach übertragen. Bleibt Buddy also im Haus brav auf seinem Platz, heißt das nicht dass er das draußen genauso tut. Jede Situation muss man separat üben. Ich üben außerdem immer mit einem Gegenangebot als Entschädigung 😉 Buddy bekommt also immer etwas dafür, wenn er einem Reiz widerstehen konnte. Ohne das könnte ich mir vorstellen, dass er mit der Zeit dann wahnsinnigen Frust anstauen könnte, weil er keine Alternative für sein Verhalten angeboten bekommt.

Wie übt man Impulskontrolle im Alltag

Ich möchte euch ein paar meiner Übungen für die Impulskontrolle zeigen, die ich immer wieder im Alltag mit einbaue. Bei der Impulskontrolle sollte man es am Anfang nicht übertreiben und die Dauer für das Aushalten des Reizes langsam steigern.

Man sagt auch, dass die Impulskontrolle nicht unendlich ist und aufgebraucht werden kann. Nachgeladen wird sie aber zum Glück durch Entspannung, Schlafen und Essen. Es ist also wichtig den Vorrat nicht zu stark auszureizen und die Dauer der Übungen nicht überzustrapazieren. Ein paar Sekunden sind am Anfang schon völlig genug. Wie Sitz und Platz, muss der Hund das Aushalten von Reizen erst lernen. Jeder muss natürlich selbst für sich entscheiden, wie er die Impulskontrolle einsetzt und auch trainieren will. Manche Übungen sind dem ein oder anderen vielleicht gar nicht so wichtig, anderen dagegen mehr. 

Impulskontrolle üben:

Liegen bleiben auf einem zugewiesen Platz

Hier kann man seinen Hund einfach an einer beliebigen Stelle ablegen und anschließend bewusst ohne ihn seiner Beschäftigung nachgehen. Hier macht es Sinn im Haus oder der Wohnung zu starten, da hier nicht so viele Reize wie draußen vorhanden sind.

Der Hund wird also an einer Stelle abgelegt und dann kann man das Haus putzen oder einfach in der Wohnung hin und her laufen und er oder sie darf nicht folgen, sondern muss auf dem Platz liegen bleiben. Hier soll gelernt werden: Du wirst jetzt nicht gebraucht und darfst entspannen. Das Liegen bleiben ist meiner Meinung nach eine wichtige Übungen, die man immer wieder braucht und zuverlässig funktionieren sollte.

Bewegungsreizen widerstehen

Puh das war wirklich (und ist es zum Teil immer noch) die schwierigste Übungen für uns. Buddy als waschechter Hütehund hat schon mit wenigen Monaten angefangen sich extrem für Fahrradfahrer, Jogger, Hasen etc. zu interessieren – eben für alles was sich so bewegt. Mein Ziel war es also zu verhindern, dass Buddy andere Menschen oder Tiere jagt.

Dafür habe ich viel mit einer zweiten Person geübt. Wer gerade so verfügbar war und Lust hatte, musste herhalten. Ich habe Buddy bei uns im Innenhof zu mir geholt oder auch abgelegt und habe dann meinen Trainingspartner gebeten im Hof herum zu rennen, mit dem Fahrrad zu fahren, etc. Wichtig war vor allem, dass eine schnelle Bewegung zu Stand kam. Buddy sollte eben lernen bei mir zu bleiben und sich mit mir zu beschäftigen, anstatt die andere Person zu beachten.

Bei den Fahrradfahrern habe ich eine andere Methode versucht: Im Grunde haben wir da gar nicht so extrem Impulskontrolle geübt, sondern uns eher der Reizüberflutung bedient. Ich bin mit ihm also ein paar Stunden auf einen Fahrrad- bzw. Fußgängerweg am Fluss gegangen und ihn mit gefühlten Millionen vorbei fahrenden Bikern konfrontiert. – Danach war das Thema für immer gegessen. 

Jagen unterbinden

Für mich und meinem Buddy wirklich das schwierigste Training, denn bei Hasen oder anderen Tieren ist es schon deutlich schwieriger den Hund aus dem Impuls heraus zu bekommen. Hier habe ich vorher schon vieles ausprobiert, vom Schleppleinen-Training bis hin zum Sprühhalsband. Allerdings hat es mal funktioniert und mal nicht. Daher habe ich mir mal Gedanken darüber gemacht, wieso diese Dinge so extrem schwer zuverlässig trainierbar bei uns sind. Buddy findet es als Hütehund einfach unheimlich toll etwas zu treiben oder zu hetzen – Leider. Wenn ich es ihm also einfach nur verbiete, kann es jederzeit sein, dass mein Auftreten mal zu schwach ist und der Impuls viel zu groß für ihn ist. Ich brauchte also eine Alternative, die er so toll findet, dass er dafür die Wildtiere links liegen lässt.

Da er so begeistert von seiner Frisbee ist, habe ich dieses Spielzeug als Hilfsmittel gewählt. Wenn ich ihm die Werfe, ist er so dermaßen heiß darauf, dass er nur Augen für mich hat. So kann ich den Reiz vom Jagen in eine andere Handlung, nämlich Frisbee, umlenken und habe hier ein Alternatives Objekt zum hinter her hetzen. Klar werdet ihr sagen – Was ist wenn sie die Frisbee mal nicht dabei hat? Ich benutze ein Kommando für Buddy, dass bedeutet „Jetzt spielen wir was tolles“ und damit klappt es zu 99% gut mit dem Abruf. Allerdings gibt es auch das 1% bei dem er sich leider von seinen Instinkten verführen lässt.

Vor dem Futternapf warten

Hier geht es darum, dass der Hund erst fressen darf, sobald er von euch die Erlaubnis bekommt. Das Futter muss also erst freigegeben werden und vorher darf nichts davon gefressen werden. Um die Übungen in den Alltag zu integrieren, kann man das einfach immer bei der täglichen Fütterung einbauen.

Der Hund soll vor seiner gewohnten Futternapf-Stelle sitzen oder liegen und anschließend wird der Napf mit Futter vor ihm abgestellt. Erst wenn ihr den Napf mit einem Signal oder Wort freigebt, darf er anfangen zu fressen. Am Anfang werden eurem Vierbeiner wahrscheinlich schon ein paar Sekunden schwer fallen, man die Zeitspanne des Wartens aber nach und nach etwas erhöhen. Stundenlanges Warten vor dem Napf macht aber keine Sinn, denn auch beim besttrainerten Hund ist, wie oben bereits erwähnt, die Impulskontrolle nicht unendlich und irgendwann aufgebraucht.

Leckerli aufbauen

Bei dieser Übungen liegt oder sitz eure Hund vor euch und ihr platziert nun ein Leckerchen direkt vor ihm auf den Boden. Er darf jetzt nicht versuchen, das Futter zu fressen oder dran zu schnuppern. etc.

Bei sehr aufgeregten Hund könnt ihr das Futter sicherheitshalber etwas weiter weg platzieren, um die Versuchung etwas zu mindern. Erst wenn ihr das Futter freigebt, darf er es sich nehmen und fressen. Wenn euer Hund diese Übung gut beherrscht, kann man das Ganz noch ausbauen bzw. erweitern, in dem Mann das Leckerli auf den Hundepfoten, Schnauze etc. platziert.

Leckerli auf dem Hund platzieren

Leckerli zählen

Dafür braucht du einen Beutel voll Leckerli und am besten einen Clicker (muss aber nicht unbedingt sein). Zu Beginn platzierst du dich vor deinem Hund und fängst dann an, das erste Leckerli aus dem Beutel zu nehmen.

Während du das Leckerli heraus holst, sagst du laut „EINS“. Das Leckerli kannst du entweder in deine andere Hand legen oder auf dem Boden ablegen.

Jetzt holst du das nächste Leckerli aus dem Beutel und sagst hier wieder laut „Zwei“. Das Ganze machst du jetzt solange bis du bei 10 angelangt bist. Hat dein Hund jetzt beim 10. Leckerli immer noch Brav abgewartet, klickst du mit dem Clicker oder sprichst ein Lob aus und lässt ihn die Leckerli nun fressen. 

So nicht: Wenn der Hund beim Zählen versucht an die Leckerli zu kommen oder dich mit Bellen, Fippen, Anspringen oder anderen Pöbelmaßnahmen zu belästigen, packst du sofort wieder alle Leckerli weg und beginnst wieder bei Eins.